01.03.2020 /
Brunei
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Das Dilemma der Christen in Brunei

Bis 1984 ein britisches Protektorat, ist Brunei heute das einzige politisch unabhängige Sultanat der Welt. Der regierende Sultan ist einer der reichsten Männer der Welt und der Hüter der malaiischen und islamischen Kulturwerte des Landes.

Seit April 2019 ist das Scharia-Strafrecht vollständig umgesetzt. Ein Mitarbeiter von Open Doors, der kürzlich nach Brunei reiste, fand eine ängstliche Kirche vor.

Wie sieht die Kirchenlandschaft in Brunei aus?
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Christen machen offiziell 13 % der Bevölkerung aus. Es gibt fünf offiziell anerkannte Kirchgemeinden und mehrere nicht anerkannte protestantische Gemeinden. Der Registrierungsprozess ist sehr schwierig. Nicht registrierte Kirchen werden toleriert, sind aber verwundbar. Eine Beschwerde eines Nachbarn genügt, um die Kirche von der Polizei schliessen zu lassen.

Für wen gilt das Scharia-Recht?
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Die Scharia gilt für alle Einwohner ­Bruneis, Muslime und Nicht-Muslime, einschliesslich Expats. Die einzige Ausnahme ist die Königsfamilie. Der Sultan hat alle Macht. Er kann zum Beispiel jederzeit beschliessen, eine Kirche zu schliessen.

Welche Bestimmungen betreffen die Kirche direkt?
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Es ist absolut verboten, eine andere Religion als den Islam zu verbreiten. Das Evangelium mit (gebürtigen) Muslimen und ethnischen Minderheiten zu teilen ist verboten. Christen das Evangelium zu lehren ist erlaubt, aber nur innerhalb der Kirche.

Wie reagieren die Christen auf die Scharia-Gesetze?
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Die Christen sind sehr besorgt. Im ­Wesentlichen gibt es zwei Reaktionen. Die einen sagen, dass sie als Kirche weiterhin funktionieren, jedoch innerhalb ihrer Kirchenwände bleiben werden. Andere wollen auch ausserhalb ihrer Kirche aktiv bleiben, auch wenn sie dafür einen hohen Preis zahlen könnten.

Wie sieht die Zukunft aus?
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Christen stehen vor einem Dilemma. Viele Christen motivieren ihre Kinder aktiv dazu, auszuwandern und sich im Ausland eine Zukunft aufzubauen. Beobachter berichten, dass sich das Land zu einem islamischen Hub in Südostasien entwickelt, zum Beispiel mit dem neuen islamischen Studienzentrum in Temburong. Es ist wichtig, dass Christen in einer so entscheidenden Zeit wie dieser für ihre Geschwister in Brunei beten. /

Auszug März 2020 – Magazin