22.05.2021 / news

Die Hälfte der Weltbevölkerung leidet unter schwerer religiöser Verfolgung

Zwei aktuelle Berichte zeigen, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung von zunehmender religiöser Verfolgung betroffen ist.

Laut dem halbjährlichen Bericht zur Religionsfreiheit, der von der katholischen NGO «Kirche in Not» (ACN) veröffentlicht wird, leidet die Hälfte der Weltbevölkerung (51 Prozent der Menschen) unter schwerer religiöser Verfolgung. Unter anderem nimmt die Belästigung und Gewalt gegen Christen deutlich zu.

Wachsende dschihadistische Gewalt

Insbesondere weist der Bericht darauf hin, dass Afrika südlich der Sahara eine der Regionen ist, in denen die Gewalt «mit unvorstellbarer Grausamkeit explodiert ist. In den letzten zwei Jahren haben dschihadistische Gruppen ihre Präsenz in Afrika südlich der Sahara verstärkt. Es gibt mehr als 25 terroristische Gruppen, die in 14 Ländern aktiv sind. Diese Gruppen kooperieren zunehmend und unter ihnen sind einige, die mit dem Islamischen Staat oder al-Qaida verbunden sind.»
Als Folge dieser Entwicklung «nimmt die dschihadistische Gewalt zu und breitet sich aus: Von Mali bis Mosambik in Subsahara-Afrika, bis zu den Komoreninseln im Indischen Ozean und den Philippinnen im Südchinesischen Meer.»

Technologie im Dienste Terrors

Weiter steht im Bericht: «Dschihadisten nutzen ausgefeilte digitale Technologien, um zu rekrutieren, zu radikalisieren und ihre Anschläge auszuführen.»
Seit mehreren Jahren berichtet das Forschungsteam von Open Doors, das den Weltverfolgungsindex erarbeitet, über Gräueltaten islamistischer Gruppen in afrikanischen Ländern. Dazu gehören die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und neuerdings auch Mosambik.

«Hassrede»

Vor kurzem hat auch die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) ihren Bericht veröffentlicht. Zum zweiten Mal wird Nigeria als besonders besorgniserregendes Land aufgeführt. Laut der Kommission sind die Länder, die die Religionsfreiheit am wenigsten respektieren: Myanmar (ehemals Birma), China, Eritrea, Iran, Nordkorea, Pakistan, Saudi Arabien, Tadschikistan, Turkmenistan, Indien, Russland, Syrien und Vietnam.

Vermehrt Übergriffe in Indien

Indien wurde letztes Jahr in die Liste aufgenommen und verbleibt darauf, weil «sich die Situation in Bezug auf die Religionsfreiheit weiter verschlechtert.» Hindu-nationalistische Gruppen, ermutigt durch politische Entscheidungen und die Bekräftigungen durch Regierungsbeamte, handeln ungestraft. Sie greifen Muslime, Christen und andere Minderheiten an, oft gewaltsam.
Laut dem Bericht befeuern Fehlinformationskampagnen und Rhetorik, die zu Gewalt und Diskriminierung aufruft, ihre Handlungen: «In den letzten Jahren haben Fehlinformationen und hasserfüllte und intolerante Rhetorik Praktiken wie Einschüchterung, Belästigung und Mobgewalt gefördert. Dalits (Unberührbare), Muslime, Christen, Adivasi (Ureinwohner) und andere religiöse Minderheiten tragen regelmässig die Hauptlast dieser Gewalt.»

Verbesserungen im Sudan

USCIRF teilt gleichzeitig mit: «In diesem Jahr wurden der Sudan und Usbekistan von der Liste der Länder, die unter besonderer Beobachtung stehen, gestrichen, nachdem sie sich in Bezug auf die Gewährleistung und den Schutz der Religionsfreiheit verbessert hatten.» Und weiter: «Die Situation ist zwar weiterhin besorgniserregend, liegt aber unterhalb der Schwelle, die für die Aufnahme in diese Liste erforderlich ist.»
Open Doors hat vor einer verfrühten Lockerung des internationalen Drucks auf diese beiden Länder gewarnt: Der Sudan steht auf Platz 13 und Usbekistan auf Platz 21 des Weltverfolgungsindex 2021, der die 50 Länder auflistet, in denen die Christen am meisten verfolgt werden.