05.12.2019 / news

DR Kongo: Mindestens 47 Christen in Nord-Kivu getötet

Die überwiegend christliche Bevölkerung Nord-Kivus, im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wurde im November mindestens zehnmal angegriffen. Dutzende Menschen wurden dabei getötet. Die Islamisten der ADF wollen ein Kalifat ausrufen.

Allein im November starben in Nord-Kivu mindestens 84 Menschen, darunter 47 Christen. Mindestens 13 Personen werden infolge der Anschläge als vermisst gemeldet. Es wird davon ausgegangen, dass sie von islamischen Extremisten der “Alliierten Demokratischen Kräfte” (ADF) entführt worden sind.

Die meisten dieser Übergriffe geschahen, nachdem die Regierung der DR Kongo die “Operation Sukola 1” eingeleitet hatte, die darauf abzielte, die ADF-Kräfte aus der Region zu entfernen. Doch diese Operation hat die überwiegend christliche Bevölkerung der Gegend viel gekostet.

Pastor Gilbert Kambale, Präsident der Zivilgesellschaftlichen Organisation der Stadt Beni rief die Christen in Nord-Kivu und anderswo auf, weiterhin zu Gott für die Befreiung von Beni und der DR Kongo zu beten. “Denn auch wenn die Nacht lang ist, wird gewiss ein neuer Morgen warden.”

Eine komplexe Situation

Die DR Kongo liegt in Zentralafrika und ist eines der grössten Länder des Kontinents. Mit 80 Millionen Hektar Ackerland und mehr als 1100 Mineralien und Edelmetallen ist es ausserordentlich reich. Sein Reichtum ist gleichzeitig einer der Hauptgründe, warum Gewalt und Unruhen einen grossen Teil seiner jüngeren Geschichte ausmachen. Die Sicherheitskrise, die im Nordosten, vor allem in der Provinz Nord-Kivu, andauert, ist sehr komplex.

Der ADF will ein Kalifat einführen

Das enorme Chaos geht auch auf die bewaffnete Einflussnahme durch Uganda, Ruanda und Burundi zurück, sowie auf den Bürgerkrieg zwischen der Regierung und mehreren Rebellengruppen. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Gruppen ethnische und wirtschaftliche Motivationen hat, gibt es einige, die ein islamisches expansionistisches Programm verfolgen. Der ADF hat die offensichtlichste islamische Agenda, mit dem Wunsch, ein Kalifat einzuführen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich der ADF mit dem Islamsichen Staat IS verbündet hat.

ADF beging schreckliche Gräueltaten, darunter Tötungen (selbst von Babys), Vergewaltigungen, Entführungen von Frauen und Kindern, gefolgt von Sklaverei und/oder Indoktrination, um sie in ihre Reihen zu zwingen.

Chronologie der letzten Angriffe

  • 20. November: Mutmassliche ADF-Kämpfer stürmten gegen 2 Uhr morgens einen Bezirk und töteten 15 Menschen, alle Christen (4 Katholiken, 11 Protestanten). Sie beschlagnahmten auch Tiere und Wertsachen, bevor sie sich gegen 4 Uhr morgens zurückzogen. 10 Menschen werden vermisst.
  • 19. November: 14 Menschen starben bei einem mutmasslichen ADF-Angriff, der von 16.00 bis 19.00 Uhr im Gebiet von Mavete, vier Kilometer von der Innenstadt von Oicha entfernt, verübt wurde. Die Angreifer töteten zuerst drei evangelische Christen (Zwei Frauen und einen Mann), bevor sie Medikamente aus einem Gesundheitszentrum in einer Ortskirche plünderten. Sie brannten auch einen Teil des Gebäudes ab. Die meisten Einwohner von Mavete flohen nach Beni, während einige wenige nach Ndalya gingen. Zuletzt starben sieben Menschen und in einer Entfernung von mehreren Kilometern wurden sieben weitere Leichen gefunden.
  • 17. November: Mutmassliche ADF-Mitglieder haben im Bezirk Pakanza in Oicha sechs Menschen getötet. Sie stürmten das Gebiet gegen 22 Uhr und wüteten bis etwa 2 Uhr morgens. Die Opfer sind Christen (drei Frauen, ein Mann und zwei Kinder). Mindestens vier weitere Personen wurden verletzt.
  • 16. November: Etwa fünfzehn Menschen wurden in Palmba, Mbau, getötet. Unter den Opfern sind sieben Pygmäen. Die anderen acht waren Mitglieder der Katholischen Kirche von Mbau (fünf Frauen, zwei Männer und ein 6-jähriges Kind). Einmal mehr flohen viele nach Mbau.
  • 15. November: Zwischen 22.00 und 1.00 Uhr griffen ADF-Kämpfer den Ort Mabasele an und töteten sechs Frauen, darunter drei, die auf dem Heimweg vom Gebet in der Kirche waren. Später griffen die Terroristen ein Fahrzeug an, das von Bunia nach Butembo unterwegs war. Hierbei wurden fünf Menschen getötet: Zwei christliche Frauen und drei Männer, darunter zwei Katholiken.
  • 14. November: Sechs Personen (Vier Frauen, ein Mann und ein Kind), alle Mitglieder derselben Familie, wurden in Oicha, in der Nähe von Mabasele, getötet. Mehrere andere wurden verletzt. Laut Radio Okapi war dies der dritte Angriff der Woche. Unter anderem wurde das “Oicha General Hospital” zum Ziel der Angriffe. Armee, Polizei und UN-Kräfte drängten die Angreifer zurück. Die Bevölkerung floh, kehrte am nächsten Tag zurück und wurde erneut angegriffen.
  • 11. November: Mindestens drei Menschen wurden in der Ortschaft Mayimoya getötet und mindestens zwei weitere wurden als vermisst gemeldet. Drei der Opfer waren evangelische Christen.
  • 10. November: Vier Christen wurden bei einem Angriff in Eringeti getötet. Ein Gemeindeleiter sagte, dass drei der Opfer katholisch sind und eines evangelisch.
  • 5. November: Gegen 6 Uhr morgens legte mutmasslich der ADF einen Hinterhalt in der Nähe von Kokola. In diesem starben mindestens zehn Menschen, darunter drei Christen und vier weitere Menschen auf dem Weg zu einem Markt in der Provinz Ituri. Zudem blieb ein 16-jähriges Mädchen nach dem Angriff verschwunden. Die Angreifer stahlen Ziegen und Hühner, bevor sie sich zurückzogen.

Neben dem ADF haben zwei weitere in Nord-Kivu tätige bewaffnete Gruppen eine islamische Agenda, obwohl sie auch andere politische Ziele verfolgen, die «Mai Mai Sheka» und «Mai Mai Simba». Im Jahr 2019 näherte sich das Land der Eintrittsschwelle des Weltverfolgungsindex.