06.07.2021 /
Myanmar
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Myanmar: Christen werden nicht verschont

Die Kirchen in ganz Myanmar leiden unter den Folgen der derzeitigen Gewalt im Land. Die Christen treten als Friedensstifter in Erscheinung, sie sind aber eine Minderheit die oft zur Zielscheibe wird.

Seit dem Staatsstreich am 1. Februar erlebt Myanmar – ehemals Birma (deutsch) respektive Burma (englisch) – eine Welle der Gewalt. Die ohnehin verfolgten Christen sehen sich einem zunehmenden Druck ausgesetzt. Sie werden vor allem wegen ihrer Position als Friedensstifter, die die Gewalt verurteilen, ins Visier genommen.

Kirchen im Visier

•    Am 24. Mai wurde im Dorf Kayan Thar Yar, im östlichen Bundesstaat Kayah, eine katholische Kirche von einer Granate der burmesischen Armee getroffen. Fast 300 Menschen hatten sich in die Kirche geflüchtet, als sie angegriffen wurde. Vier Menschen wurden getötet und mindestens vier weitere verletzt. Die Armee hat die Leichen weggebracht.
•    Zwei Tage zuvor zerstörte das Militär das Innere einer Baptistengemeinde der Karen in Yangon. Der Grund dafür war, dass der Sohn des Pastors beschuldigt wurde, eine Waffe der Armee gestohlen zu haben. Der Pastor und zwei weitere Männer wurden verprügelt.
•    Anfang April durchsuchte das Militär baptistische, katholische und anglikanische Kirchen in Mohnyin im Kachin-Staat und beschuldigte sie «illegaler Aktivitäten».
•    Im Februar führte die Polizei eine Razzia in der Baptistengemeinde in Lashio im Shan-Staat durch und verhaftete mindestens zehn Personen, darunter vier Pastoren.
•    Buddhistische Tempel leiden nicht unter dem gleichen Mass an Respektlosigkeit und Zerstörung wie Kirchen.

Kachin- und Shan-Christen doppelt betroffen

Schätzungsweise 9000 Menschen wurden in den Kachin- und Shan-Staaten, die eine grosse christliche Bevölkerung haben, vertrieben. Die Bevölkerung leidet seit Jahren unter der Gewalt zwischen ethnischen Rebellenfraktionen und der Armee. Die Folgen dieses Bürgerkriegs sind geschlossene Kirchen und inhaftierte Christen, darunter Pastoren und Bibelschüler. Der Sprecher der Regierung der Nationalen Einheit, der burmesischen Widerstandsregierung, reagierte mit diesen Worten: «Wir appellieren dringend an die internationale Gemeinschaft, die Armee davon abzuhalten, Zivilisten zu töten, Kirchen zu zerstören und die bereits unterdrückten und marginalisierten ethnischen Minderheiten ins Visier zu nehmen.»
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks wurden bereits 50’000 Menschen durch die Kämpfe zwischen der Armee, der «Volksverteidigungseinheit» der Widerstandsregierung und ethnischen Rebellengruppen vertrieben.