10.09.2018 /
Pakistan
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Pakistan: «Lasst nicht einen einzigen Christen im Dorf am leben!»

In Pakistan kämpft eine christliche Familie für Gerechtigkeit. Ihr 22-jähriger Sohn wird fälschlicherweise der Entführung und Vergewaltigung beschuldigt. Die gesamte christliche Gemeinde im Dorf wurde daraufhin angegriffen.

In der Stadt Sheikhupura, in der Provinz Punjab in Pakistan, steht seit Juli ein junger Christ, Waheed Masih (22) unter falscher Anklage. Ihm wird vorgeworfen, ein 19-jähriges Mädchen entführt und vergewaltigt zu haben.

Seit der Anklage gegen Waheed sind seine Familie und die gesamte christliche Gemeinschaft, die im Dorf Rahimabad lebt, Opfer von Missbrauch durch die Bewohner ihres Dorfes geworden.

Aufforderung zur Gewalt gegen Christen

«Alle Dorfbewohner waren erzürnt und sie schrien, dass sie unsere Häuser niederbrennen und uns in Stücke schneiden würden», erinnert sich ein Zeuge.

Dazu erfolgten zwei aufwiegelnde Aufrufe zu dieser Kundgebung über die Lautsprecher der Moschee. Einige Christen flohen bereits nach der ersten dieser Durchsagen aus Angst vor Angriffen. Wir hörten: «Lasst nicht einen einzigen Christen im Dorf am leben!»

Überall mussten sich Frauen und Kinder in Sicherheit bringen, als die Plünderungen und Verwüstungen begannen. In Rahimabad herrscht noch immer Angst. Nur ältere Christen kehrten nach Hause zurück, während junge Frauen aus Angst vor Repressalien zurückkehrten.

Erhebliche Verluste

Mindestens zehn Männer brachen in das Haus der Familie Masih ein, öffneten Truhen und Schränke und stahlen Golddekorationen, Haushaltsgegenstände und Silber. Insgesamt verloren sie mehr als 3500 Schweizer Franken.

Einige andere christliche Dorfbewohner mussten fliehen; sie verloren den grössten Teil ihres Hab und Gut.

Die harten Lebensbedingungen der Christen

Dieser Schaden kommt zum täglichen Leid der Opfer hinzu. Die Mitglieder der zehn christlichen Familien des Dorfes sind überwiegend in Ziegelwerken beschäftigt, andere arbeiten als Hausmeister in verschiedenen Städten.

Pakistanische Christen werden wegen ihres Glaubens oft benachteiligt, diskriminiert und isoliert. Im Berufsleben fällt es ihnen oft schwer, über die Runden zu kommen und sie sind zu erniedrigenden oder riskanten Aufgaben verdammt. Oft ungebildet, nehmen sie aufgrund des knappen Lohnes bei ihren Arbeitgebern Vorbezüge und Kredite auf. Dies ist vom System her so gewollt, da sie dadurch als billige Arbeitskräfte in Schuld-Knechtschaft gehalten werden können. Denn sie werden nie genug Geld verdienen, um ihre Schulden zurückzuzahlen.