Zwei christliche Pflegerinnen, die der Blasphemie beschuldigt wurden, sind viereinhalb Jahre nach ihrer Verhaftung freigesprochen worden.
Mariam Lal und Newosh Arooj, zwei pakistanische Christinnen, wurden vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen, der April 2021 gegen sie erhoben worden war.
Die beiden Krankenpflegerinnen in einem Krankenhaus in der Stadt Faisalabad wurden von einem Arzt beschuldigt, «den Koran beschmutzt» zu haben. Tatsächlich hatten sie beim Reinigen der Wände einen Aufkleber mit einem Vers aus dem Koran entfernt. Sie wurden sofort verhaftet, während wütende Menschenmengen vor dem Krankenhaus demonstrierten und ihre Verurteilung zum Tode und ihre Hinrichtung forderten.
Mariam und Newosh verbrachten daraufhin fünf Monate im Gefängnis und mussten mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Trotz ihrer Freilassung gegen Kaution wurde ihr Prozess fortgesetzt.
Dieser fand schliesslich viereinhalb Jahre später statt, Ende 2025, und die beiden Frauen wurden freigesprochen. Das Urteil wurde gerade erst veröffentlicht.
Ein «historisches» Urteil
«Dieses Urteil ist ein entscheidender Schritt in Richtung Gerechtigkeit», kommentiert ein Partner von Open Doors in Pakistan. «Es bringt den religiösen Minderheiten in Pakistan, die sich angesichts der Blasphemiegesetze oft schutzlos fühlen, ein Gefühl der Erleichterung und Hoffnung. Das Urteil bestärkt uns auch in unserer Überzeugung, dass das Justizsystem Minderheiten schützen und Gerechtigkeit gewährleisten kann.»
Viele Beobachter halten dieses Urteil für «historisch», da in erster Instanz niemals ein Freispruch ausgesprochen wird. Tatsächlich üben der gesellschaftliche Druck und Massenproteste zu viel Druck auf die Richter aus. Diese ziehen es vor, harte Strafen zu verhängen. Dabei zögern sie nicht, Todesurteile zu fällen, um es dann den Richtern der Berufungsgerichte oder sogar des Obersten Gerichtshofs zu überlassen, das Urteil zu mildern oder aufzuheben.
Gerechtigkeit kann siegen
«Dieser Freispruch zeugt von ungewöhnlichem juristischem Mut», meint unser Partner in Pakistan.
Er sieht darin «ohne jeden Zweifel das Ergebnis beharrlicher Gebete für Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit». Und er fügt hinzu: «Dies stärkt die Überzeugung innerhalb der christlichen Gemeinschaft, dass Gerechtigkeit, wenn auch verspätet, doch siegen kann und dass ein friedliches Zusammenleben und die Gleichheit aller Bürger immer möglich sind.»
Es braucht Schutzmassnahmen
Aber die Freude über diesen Freispruch kann weder die viereinhalb Jahre, die Mariam Lal und Newosh Arooj hinter sich haben, noch die Tatsache ungeschehen machen, dass Blasphemiegesetze weiterhin dazu benutzt werden, Christen in Pakistan zu verfolgen.
Unserem Partner zufolge zeigt dieses Urteil, dass es nach wie vor dringend notwendig ist, «die Gesetze zu reformieren, bessere Schutzmassnahmen zu ergreifen und die Sicherheit religiöser Minderheiten besser zu gewährleisten, damit Gerechtigkeit keine seltene Ausnahme bleibt, sondern ein garantiertes und wirksames Recht für jeden Bürger ist».
Pakistan liegt auf Platz 8 der 50 Länder, in denen Christen weltweit am stärksten verfolgt werden.
Beten wir:
- Danken wir dem Herrn für den Freispruch von Mariam Lal und Newosh Arooj.
- dass dieses Urteil die pakistanischen Christen ermutigt und ein Schritt hin zu einem friedlicheren Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in diesem Land wird.
- dass die Blasphemiegesetze, die zur Verfolgung von Christen eingesetzt werden, revidiert werden.