12.11.2021 /
Sudan
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Sudan: Putsch bedroht hart erkämpfte Freiheiten

Seit dem Militärputsch im vergangenen Monat herrscht im Sudan Unruhe. Das öffentliche Leben steht still und die Christen haben grosse Mühe, sich zu versammeln. Mehrere bekannte Islamisten wurden von der neuen Führung freigelassen, was um die Reformen für mehr Religionsfreiheit fürchten lässt. 

Am vergangenen 25. Oktober kam es im Sudan zum Staatsstreich. Eine Machtübernahme durch das Militär, der die Islamisten zustimmen. Was wird aus der kleinen christlichen Minderheit des Landes werden? Ein Leiter von Open Doors in Ostafrika ist besorgt: «Die Nachrichten sind sehr beunruhigend. Wir rufen die Christen weltweit auf, mit uns für den Sudan zu beten.» Tatsächlich ist der Staatsstreich von General Abdel Fattah Al-Burhane in Sachen Religionsfreiheit ein Rückschritt, der für die Kirche schwerwiegende Folgen haben könnte. Einige christliche Leiter befürchten eine Rückkehr zur Scharia.

Der Sudan war daran, ein säkularer Staat zu werden

Dabei hatte der Sudan in den letzten Monaten positive Ӓnderungen vorgenommen, die auf einen säkularen Staat mit Religionsfreiheit hoffen liessen. Im Juli 2020 hatte die Übergangsregierung sogar eine Reihe von Änderungen angenommen, so etwa die Abschaffung der Todesstrafe für Apostasie. Theoretisch war es somit jedem Muslim möglich, seine Religion zu wechseln. Diese Reformen wurden jedoch nicht einstimmig gutgeheissen: «Der Koran ist unsere Verfassung. Nein zu Änderungen, die der Scharia widersprechen!», hörte man sogleich feindliche Demonstranten skandieren. Die Auflösung der Regierung, die diese Änderungen eingeführt hatte, wirken sich auch auf die Kirchen aus: «Alles ist gestrichen worden. Sogar religiöse Versammlungen wurden abgesagt, weil es keine Transportmöglichkeiten gibt», erklärt einer unserer Kontakte.

«Wir beten um Gottes Eingreifen»

Die Zukunft des Sudan scheint düster. Zwar hat die Militärregierung für Juli 2023 Wahlen angesagt, doch hat sie nach unseren Informationen bereits mindestens 17 Menschen getötet und über 100 verwundet. Diese Woche fanden in Khartum und in Atbara im Norden weitere Demonstrationen gegen die Machtübernahme durch das Militär statt.

Im ganzen Land sind weiterhin Schüsse zu hören. Für die Anwohner ist es nicht immer klar, ob damit Demonstranten zerstreut werden sollen, oder ob die Schüsse auf einen bestimmten Teil der Bevölkerung abzielen. 

Warten auf friedliche Lösungen

Ein Zeuge vor Ort bestätigte unseren Partnern, dass «das tägliche Leben der meisten Christen durch die Ereignisse stark beeinträchtigt wurde. Da das normale Leben nur langsam wieder zurückkehrt, sind die Christen in einer verzweifelten Lage. Viele von ihnen verdienen den Unterhalt für ihre Familie als Taglöhner.»

Unsere einheimische Quelle bittet im Namen der Christen in seinem Land: «Bitte betet für den Sudan. Wir hoffen auf eine friedliche Einigung. Wir können nur warten und beten, dass Gott eingreift. Gotte segne euch und all jene, die in ihren Gebeten weiter an uns denken.»