26.08.2022 /
Pakistan
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Südasien: Gewalt hält in Pakistan an, auch nach 75 Jahren Unabhängigkeit

Während Pakistan 75 Jahre Unabhängigkeit feiert, wird die christliche Minderheit in Südasien weiterhin schwer verfolgt. Erst in diesem Monat wurde ein Mann auf offener Strasse ermordet, und die Anschuldigungen wegen Blasphemie halten an.

Am 8. August wurde in einer Stadt in Südasien ein Christ getötet und drei Jugendliche wurden verletzt. Zwei bewaffnete Männer auf Motorrädern eröffneten das Feuer in einer christlichen Siedlung.

Das Opfer, Wilson Masih, war der Bruder von Hendry Masih, einem christlichen Mitglied des pakistanischen Parlaments, der 2014 von seinem Leibwächter getötet worden war.

Willkürliche Anschuldigungen wegen Blasphemie 

Kürzlich wurde ein christlicher Fahrradmechaniker, Ashfaq Masih, wegen eines Streits mit seinem Kunden Muhammad Irfan wegen Blasphemie zum Tode verurteilt.

Der Kunde verlangte von Masih, dass er ihm die Reparatur seines Fahrrads aufgrund seines Rangs in der religiösen Sufi-Hierarchie nicht berechne. Doch der Mechaniker «wies seine Forderung zurück und sagte, dass er Jesus allein folge und Irfans religiöser Status als Muslim ihn nicht interessiere», berichtete Masihs Anwalt. Masih wurde anschliessend festgenommen und beschuldigt, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben.

Der Christ weist die Anschuldigungen zurück. Er ist überzeugt, dass er Opfer einer Verschwörung zwischen dem Geschäftsführer und dem Besitzer einer anderen Fahrradwerkstatt in der Nähe ist. Die beiden Männer hätten ihn bereits früher bedrängt. Gemäss Masih hatten sie gemeinsam beschlossen, ihn in einen Blasphemie-Fall zu verwickeln und dafür den Kunden Muhammad Irfan benutzt.

Seit zehn Jahren im Gefängnis 

In einem anderen Blasphemie-Fall in Pakistan bestätigte das Hohe Gericht in Lahore am 8. Juni das Todesurteil gegen zwei christliche Brüder, die 2018 für schuldig befunden worden waren, blasphemische Inhalte im Internet veröffentlicht zu haben. Qaiser und Amoon Ayub beteuerten ihre Unschuld. Die beiden Brüder sind seit 2011 im Gefängnis und wollen nun ihren Fall vor den Obersten Gerichtshof bringen.

In Pakistan steht die Todesstrafe auf Blasphemie und viele Menschen sind aufgrund dieser Gesetze verurteilt worden. In der Praxis ist jedoch noch nie jemand deswegen hingerichtet worden.

Die Aufhebung des Todesurteils gegen Asia Bibi bleibt eine Ausnahme

In den letzten Monaten hat die Gewalt in diesem Teil des Landes, der an Afghanistan grenzt, erheblich zugenommen und ist den separatistischen Gruppen und militanten Islamisten zuzuschreiben.

Gleichzeitig haben sich auch die Blasphemie-Fälle gegen Christen gehäuft, obwohl Asia Bibi im Jahr 2019 vom Obersten Gerichtshof freigesprochen worden war.

Es ist bekannt, dass die Blasphemie-Gesetze oft dazu benutzt werden, mit jemandem abzurechnen, persönlichen Gewinn zu erzielen oder sich an einem zerstrittenen Nachbarn zu rächen.