09.07.2018 /
Syrien
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Syrien: 70 Prozent der Armenier sind aus dem Land geflohen

70’000 Armenier flohen während des Krieges aus dem Land. Das ist die jüngste Bilanz der armenischen Gemeinschaft in Syrien.

Vor sieben Jahren fand in Syrien der Arabische Frühling statt. Eine Protestbewegung gegen das Regime von Bashar al-Assad war durch Waffen unterdrückt worden. Seitdem hat Syrien weiterhin einen blutigen Bürgerkrieg erlebt, in den islamistische Terrorgruppen verwickelt sind.

Unter den Kollateralopfern des Krieges: Die armenisch-christliche Gemeinschaft, die einst in Frieden im Land lebte. Seit den Zusammenstössen sind 70’000 geflohen und nur sehr wenige sind auf syrisches Gebiet zurückgekehrt. Heute leben noch 30'000 von ihnen in Syrien.

«Syrien ist gefährlich geworden»

Nach Angaben des armenischen Botschafters in Syrien, Arshak Poladian, sind «70 Prozent der armenischen Gemeinschaft geflohen». Der syrische Staat erkennt die armenische Gemeinschaft an. Vor dem Krieg gab es in Syrien etwa 100’000 Menschen.

Nerses Kevo ist einer von Tausenden armenischen Christen, die gegangen sind. Er ist traurig, alles hinter sich gelassen zu haben, aber entschlossen, sein Leben in Armenien, der historischen Heimat seines Volkes, neu zu beginnen.

«Meine Familie und ich haben uns entschlossen, Syrien zu verlassen, weil so viele Jahre harter Arbeit über Nacht einfach weggefegt wurden», erklärt er.

2012: ein dunkles Jahr

Im Juli 2012 starben etwa 170 Armenier aus Aleppo, mehr als 100 wurden als Geiseln genommen, sie kamen nach der Zahlung der Lösegelder wieder frei. Und sieben weitere verschwanden spurlos.

«Dieses Gebiet des Nahen Ostens ist für Christen gefährlich geworden. Ein neuer Konflikt kann jederzeit auftreten», befürchtet Nerses Kevo.

Sieben armenische Kirchen verschont geblieben

Nur 7 von 17 armenischen Kirchen blieben vom Krieg verschont. Armenische Wohngebiete, Friedhöfe, Geschäfte und Fabriken wurden beschädigt und geplündert. Elf armenische Schulen wurden zerstört, nur eine wurde wiederaufgebaut. Das ist die Karen-Jeppe-Schule in Aleppo. Sie wurde im September 2017 wiedereröffnet. Vor dem Krieg hatte sie 1300 Schüler. Heute sind es noch 300.

Die Armenier von Syrien sind die Nachkommen der Exilanten, die den Völkermord an den Armeniern unter dem Osmanischen Reich 1915 überlebt haben.