16.06.2022 /
Syrien
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Syrien: Christen leiden immer noch unter dem Krieg

Die Christen im Norden Syriens leben unter der Bedrohung einer türkischen Besetzung.

Der Krieg in Syrien ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Man könnte meinen, er sei beendet. In Wirklichkeit ist das Land jedoch immer noch Schauplatz von Kämpfen, deren Leidtragende die Christen sind. Am 28. Mai wurde die Kirche Mar Sawa im Dorf Tal Tawil durch Mörser- und Raketenbeschuss schwer beschädigt.

Bedrohung durch islamistische Besatzung

Tal Tawil ist ein mehrheitlich christliches Dorf im Norden Syriens. Heute ist es nahezu verlassen. Fast alle seine Bewohner sind vor den islamistischen Kämpfern geflohen. In diesem Gebiet sind es die türkischen Truppen, die für die Gewalt verantwortlich sind. Die Christen befürchten, dass sie die Region besetzen könnten. Sie würde zu den anderen Teilen des syrischen Territoriums hinzukommen, die die Türkei bereits im Norden des Landes annektiert hat. Die Bewohner der Dörfer sind grösstenteils Christen. Sie würden sich in einem Gebiet wiederfinden, das angeblich von den türkischen Streitkräften gesichert wird. Das klingt in ihren Ohren wie eine Bedrohung, denn es ist schwierig, in der Türkei Christ zu sein. Daher sind die syrischen Christen besorgt über weitere türkische Annexionen in Syrien.

Drastisch abnehmende christliche Präsenz

Mit dem Krieg im Laufe der Jahre verliessen die Bewohner von Tal Tawil einer nach dem anderen die Gegend. Viele flohen nach Tel Tamr, das zehn Kilometer weiter östlich liegt. Andere verliessen das Land. Die christliche Präsenz in Syrien nimmt stetig ab. Diejenigen, die bleiben, sind verwundbar, da sie aufgrund ihres Glaubens stärker gefährdet sind als der Rest der Bevölkerung. Die Zahl der Christen in Syrien ist von 2,2 Millionen zu Beginn des Krieges auf 638’000 zurückgegangen.