02.03.2019 /
Türkei
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Türkei: Öffentliche Hassreden gegen Christen

Offene Hassreden gegen Christen haben in der Türkei zugenommen. Das ist die Feststellung des türkischen Verbandes der Evangelischen Kirchen in seinem jüngsten Jahresbericht.

Der am 20. Februar vom Türkischen Verband der Evangelischen Kirchen veröffentlichte Jahresbericht zur Menschenrechtslage berichtet von einem starken Anstieg der verbalen Angriffe auf protestantische Christen und der Aufstachelung zum Hass in lokalen und nationalen Medien und türkischen sozialen Netzwerken – allein wegen ihres Glaubens. Das Dokument als PDF ansehen

Mit «grosser Trauer und Besorgnis» verfolgten die 150 protestantischen Kirchen in der Türkei den Fall von Andrew Brunson, bis er freigesprochen wurde und am 12. Oktober 2018 in die Vereinigten Staaten zurückkehren durfte. Seine Verhaftung, seine Inhaftierung und der zwei Jahre dauernde Prozess waren ein Auslöser für diesen massiven Hass.

Kirchen und Christen verleumdet

Die Tatsache, dass die Medien Kirchen und ihre Mitglieder systematisch – und ohne Beweise – mit terroristischen Organisationen in Verbindung bringen, hat die christliche Gemeinschaft schockiert. Der Bericht hebt hervor, dass die Neutralitätspflicht und das Gesetz der Regierung über den Schutz personenbezogener Daten nicht eingehalten werden.

Dazu eine Auswahl von Beispielen:

  • Eine nationale Zeitung behauptete, dass ein Christ eine terroristische Organisation unterstütze, weil er im Osten des Landes, in der Stadt Van, eine Kirche besucht hatte. Deshalb gab der christliche Geschäftsmann seinen Namen und Informationen über sein Unternehmen bekannt – prompt verlor er mehrere kommerzielle Aufträge.
  • Bereits im Fall Brunson wurden Namen, persönliche Daten und Fotos veröffentlicht, die Christen oder Versammlungen in einem für sie ungünstigen Kontext darstellen. Anschuldigungen anonymer falscher Zeugen gegen Andrew Brunson wurden gemeldet, als ob sie wahr wären und lokale und nationale Redaktionen verweigerten das verfassungsmässige Recht auf Antwort oder Korrektur gegenüber verleumdeten Kirchen und Einzelpersonen.
  • Protestanten in den Städten Diyarbakir, Mardin, Izmir und Manisa wollten wegen der «heimtückischen Propaganda» im Zusammenhang mit dem Brunson-Prozess gegen ihre Kirchen und Führer rechtliche Schritte unternehmen. Die lokalen Behörden weigerten sich, Ermittlungen anzustellen oder bestraften die Täter nicht.

Viele administrative Probleme

Nach dem Fall Brunson wurden mehrere Mitglieder ausländischer protestantischer Kirchen mit Wohnsitz in Istanbul, Izmir, Mersin und anderen Städten im Jahr 2018 abgeschoben oder in die Türkei zurückgeführt oder wurden aufgefordert, die Türkei innerhalb von zehn Tagen nach der Verweigerung der Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis zu verlassen.

Die Regierung legt den Versammlungen rechtliche Beschränkungen auf und hat den 2009 gegründeten Verband der Evangelischen Kirchen als institutionelle Repräsentanz der Protestanten in der Türkei noch nicht anerkannt. Es ist daher schwierig, anerkannte Gotteshäuser zu errichten und Seminare zu organisieren. Von 150 Versammlungen treffen sich nur 10 in offiziellen Gebäuden. Die wichtigsten befinden sich in Istanbul, Ankara und Izmir. Siebenundsechzig andere mieten oder kaufen Räumlichkeiten, die als Treffpunkte eines juristischen Vereins bezeichnet werden.

Erfreulicherweise wurde 2018 eine evangelische Kirche zur Gründung einer religiösen Stiftung zugelassen und eine weitere wartet derzeit auf den Antrag auf Stiftungsstatus.