03.09.2021 /
Vietnam
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Vietnam: Keine Wassertanks für Christen

In verschiedenen Gegenden Vietnams werden Christen derzeit durch Razzien und Schikanen verstärkt unter Druck gesetzt.

In den vergangenen Monaten haben vietnamesische Behörden den Druck auf die christliche Minderheit in einigen Landesteilen spürbar verstärkt. Dazu gehörten gezielte Benachteiligungen bei staatlichen Hilfsangeboten, Razzien auf Kirchen und Verhöre.

«Wenn ihr Hilfsgelder wollt, betet wieder unsere Vorfahren an!»

Im Juni 2021 hat die vietnamesische Regierung eine Richtlinie erlassen, wonach jede Familie, die in einer Provinz nahe der chinesischen Grenze lebt, einen Wassertank erhält. Die Beschaffenheit des felsigen Gebiets erschwert die Gewinnung von Grundwasser erheblich, so dass die Menschen hauptsächlich auf die Nutzung von Regenwasser angewiesen sind. Die grösste Schwierigkeit ist allerdings die Speicherung des Wassers. Aufgrund der allgemeinen Armut in der Provinz kann jedoch kaum eine Familie die Mittel für den Bau des Tanks aufbringen. In der Trockenzeit müssen sie sechs Stunden laufen, um Wasser aus dem Fluss zu holen. Deshalb stellte die Regierung nun jeder Familie 10 Millionen VND (ca. 450 Franken) zur Verfügung, um einen geeigneten Tank zu bauen.

Sechs christliche Familien wurden jedoch wegen ihres Glaubens von dieser Hilfe ausgeschlossen. Nach Angaben eines Pastors in der Gegend sagten die örtlichen Behörden: «Ihr seid Christen, wir haben keine Verantwortung für euch. Geht und bittet eure Kirche, euch zu helfen! Wenn ihr die Hilfsgelder erhalten wollt, kehrt zu unserer Kultur zurück und betet unsere Vorfahren wieder an.»

Pastor tagelang verhört

Auch im zentralen Hochland Vietnams setzt die Regierung Christen derzeit unter grossen Druck. So führten staatliche Beamte zwischen dem 16. und 18. Juli in der Provinz Dak Lak mehrere Razzien in Kirchen durch und verhafteten eine Reihe von Christen, wie Zeugen gegenüber Voice of America (VOA) berichteten. Am 16. Juli kamen die Behörden zum Haus von Y Nguyet Buon Krong, einem Pastor der Christlichen Evangelischen Kirche des zentralen Hochlands. «Sie durchsuchten das Haus und beschlagnahmten mehr als 20 Bibeln, die bis heute nicht zurückgegeben wurden», sagte er gegenüber VOA. Anschliessend wurde er auf die Polizeistation der Provinzhauptstadt gebracht und dort zwei Tage und eine Nacht lang stundenlangen Verhören unterzogen, auch wegen seines Studiums im Bereich Menschenrechte und Religionsfreiheit.

Die Provinz Dak Lak im zentralen Hochland Vietnams beherbergt eine grosse Zahl einheimischer ethnischer Minderheiten. Unter ihnen befinden sich protestantische christliche Gemeinschaften, die in den Augen der kommunistischen Regierung eine feindliche Kraft darstellen. Da viele der Minderheiten in der Region im Vietnamkrieg auf der Seite der Amerikaner kämpften, wird ihnen bis heute mit grossem Misstrauen begegnet. Der Glaube der Christen gilt als weiterer Beleg für ihre feindliche Haltung gegen das eigene Land, so dass sie immer wieder in das Visier der Behörden geraten.

*Name geändert

Quellen: Voice of America, Open Doors