28.01.2022 /
Afghanistan
/ news

Afghanistan: Allein, aber nicht im Stich gelassen

Viele Afghanen haben das Land verlassen, als die Taliban die Macht ergriffen. Darunter sind auch Christen wie Zabi. Sie fürchten um ihr Leben, wenn sie in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Seit die Taliban im August 2021 an die Macht kamen, haben Zehntausende Afghanen das Land verlassen. Und mehr als 700’000 Menschen sind heute Binnenvertriebene. Einige Christen haben sich für das Bleiben entschieden. Andere, wie Zabi*, sind geflohen. 

Beten, um Sicherheit zu finden

Zabi ist eine heimliche Christin, die Afghanistan verlassen musste, als die Taliban kamen. Heute lebt sie mit ihrer Mutter in einem Grenzland. Sie hat keinen Zugang zu ihren Ersparnissen; sie sind auf ihrem Bankkonto in Afghanistan gesperrt. Open Doors hilft ihr, Lebensmittel und Kleidung zu kaufen und die Miete für ihre kleine Wohnung zu bezahlen. 

Ihre Situation ist prekär und ihr Visum läuft bald ab. Sie befürchtet das Schlimmste. Erstens, weil sie Christin ist, und zweitens, weil sie für eine internationale Organisation arbeitete, die sich für die Menschenrechte einsetzt. Jeden Morgen steht sie mit demselben Gedanken auf: überleben.

Sie erklärt: «Unsere Lage ist verzweifelt. Ich bete, dass ich dieses Land verlassen und an einen sicheren Ort gehen kann. Vielleicht muss ich untertauchen oder ich werde nach Afghanistan abgeschoben. In diesem Fall könnte ich umgebracht werden.»

Dort sein und helfen

Einer unserer Partner, der in einem Grenzland zu Afghanistan lebt, meint zu Zabis Realität: «Sie ist so dankbar für unsere Hilfe, aber gleichzeitig steht sie noch unter Schock. Es fällt ihr schwer, auszudrücken, was sie erlebt hat und was sie empfindet. Wir müssen einfach an ihrer Seite stehen und ihr so gut als möglich helfen. Und wir beten, dass Gott ihr eine Tür öffnet, damit sie und ihre Mutter in Sicherheit leben können.»

Als Illegale leben

Unser Partner beschreibt die allgemeine Situation an der Grenze weiter: «Jeden Tag überqueren Afghanen den Fluss und verstecken sich in den Feldern und im Schilf.»

Er sagt: «Wenn die Grenzwächter sie finden, werden sie zurückgeschickt. Ich weiss, dass es in vielen Städten afghanische Flüchtlinge hat, aber wie sie es bis hierher geschafft haben, ist mir unbekannt. Sie leben versteckt, damit die Polizei sie nicht findet.»

Unter diesen Flüchtlingen befinden sich auch afghanische Christen. Ob sie im Ausland leben oder sich noch in Afghanistan befinden, sie sind zu einem Leben im Untergrund verurteilt. 

Afghanistan noch extremer als Nordkorea

Am 19. Januar 2022 ist der neueste Weltverfolgungsindex erschienen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren steht nicht Nordkorea an der Spitze der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden, sondern Afghanistan. Hier finden Sie alle Informationen zu dieser Rangliste.

* Deckname

Zabis Zeugnis ist als Video verfügbar (auf Englisch).