24.06.2022 /
Afghanistan
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Afghanistan: Das grösste Opfer

Saleha* gehört zu einer winzigen Minderheit von Frauen in Afghanistan. Jene, die mit einem Mann verheiratet sind, der seine Frau liebt und ihre Rechte respektiert. Umso schwieriger war es für Saleha, als ihr Mann entführt wurde. Doch durch diese schmerzhaften Ereignisse hat sie zu Jesus gefunden, der alles für sie opferte. 

Heute ist Saleha um die 40 Jahre alt. «Sie sagte mir einmal, dass sie eine privilegierte Frau sei in Afghanistan und sogar weltweit, weil sie die einzige Frau sei, die von ihrem Mann wirklich geliebt werde», erzählt einer unserer Partner, der sie vor einigen Monaten kennengelernt hat. 

Tatsächlich schlug Salehas Mann sie nicht, wie es für andere Ehemänner in ihrer Gemeinschaft üblich ist. Er lehrte sie sogar das Lesen und Schreiben. Doch ihre Familien und die Gemeinschaft verstanden sie nicht und wurden ihnen gegenüber sehr misstrauisch. «Sie sahen es als etwas Schlechtes, als ein verdächtiges Verhalten. Sie glaubten, dass das Paar seinen Glauben an den Islam verraten hatte und dass sie Agenten des Westens waren», erklärt unser Partner.

Schliesslich wurde es für sie zu gefährlich, in ihrem Haus zu bleiben. Doch bevor sie umziehen konnten, verschwand ihr Mann. Er wurde entführt und Saleha war nun ganz allein. Niemand war da, um sich um sie zu kümmern.

Von Hoffnung gequält

Enge Freunde mit den gleichen Werten nahmen sich ihrer an und brachten Saleha in eine andere Stadt. Dort wurde sie von einer Familie von heimlichen Christen aufgenommen, die sie wie ihre eigene Tochter behandelten. Saleha konnte nicht glauben, dass ihr Mann tot sein könnte. «Sie war sicher, dass er am Leben war, auch wenn sie nichts von ihm hörte. Das Warten und Hoffen quälte sie. Eine Zeit lang war sie sehr wütend auf Gott», berichtet unser Partner.

Ein langer Weg der Akzeptanz

Die Jahre vergingen. Ihr Weg zur Akzeptanz war sehr hart, geprägt von Höhen und Tiefen. Manchmal freute sie sich, wenn jemand sie zum Beten besuchte, ihr Bibelverse schickte und sie ermutigte. Zu anderen Zeiten war sie so traurig, dass sie es nicht vertrug. 

Saleha war blind vor Kummer und Wut. «In diesen schwierigen Zeiten, in denen sie nichts sehen oder tun konnte, kümmerten sich ihre Adoptivfamilie und Freunde weiterhin liebevoll um sie und beteten für sie», fährt unser Partner fort.

Er hat das grösste Opfer gebracht

Manchmal sang sie Lieder, die sie und ihr Mann früher immer zusammen gesungen hatten. Sie sang sie zu seiner Erinnerung. Und nach und nach besiegten diese Lieder ihre Wut. «Sie erinnerte sich an die ursprüngliche Absicht, die sie und ihr Mann gehabt hatten: der Nation Hoffnung zu bringen. Sie dachte an die schweren Zeiten zurück, die sie durchlebt hatten, und wie Gott sie bewahrt hatte. Und schliesslich erkannte sie, dass ihr Opfer, als sie als junge Frau ihren Mann verlor, in keiner Weise mit dem grössten Opfer aller Zeiten vergleichbar ist, dem Opfer Jesu Christi», sagt unser Partner abschliessend.

Seitdem hat Saleha gelernt, ihre Rolle als Tochter in ihrer neuen Familie wahrzunehmen. Sie hat auch gelernt, eine grosse Schwester für ihre jüngeren Geschwister zu sein. Hier hat sie ihr Missionsfeld gefunden, Gottes Berufung für ihr Leben. Sie unterrichtet ihre Geschwister im Wort Gottes und hilft ihnen, Bibelstellen auswendig zu lernen. Sie sind ihre eigenen Kinder geworden, da sie selbst keine Kinder hat.