25.09.2018 /
Indien
/ news

Indien: 271 Christen auf der Anklagebank

Im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh wurden 271 Christen fälschlicherweise beschuldigt, Zwangsbekehrungen vollzogen zu haben.

Im indischen 200-Millionen-Bundesstaat Uttar Pradesh sehen sich Christen mit unbegründeten Anschuldigungen von Hindu-Radikalen konfrontiert.

Die Pastoren Durga Prasad Yadav, Kirit Rai und Jitendra Ram sind jene unter den 271 Angeklagten, deren Namen bekannt geworden sind. Diese Christen werden beschuldigt, versucht zu haben, Hindus durch Drogenkonsum zu bekehren und Lügen über den Hinduismus zu verbreiten.

Die gegen sie gerichteten Beschwerden wurden am 5. September in Jaunpur, einer Stadt 200 Kilometer südöstlich der 2,8-Millionenstadt Lucknow, der Hauptstadt des Staates Uttar Pradesh, eingereicht.

Anschuldigungen «absolut falsch und unbegründet»

Erst im August vom Gericht entlastet, werden sie nun «wegen verschiedener Straftaten wie Betrug, Schändung von Gotteshäusern und Vorurteilen gegen die nationale Integration angeklagt», so der stellvertretende Polizeipräsident Anil Kumar Pandey.

Ein Pastor sagt es: Diese Behauptungen sind «absolut falsch und unbegründet», da Christen ihre Religion in der Region seit 15 Jahren ausüben und es keine Probleme gab, bis die pro-Hindu-Partei «Bharatiya Janata Party» (BJP) an die Macht kam. Sajan K. George, Präsident des Christlichen Rates in Indien, erklärt: «Es gab ein Wiederaufleben der Verfolgung von Christen. Pastoren und christliche Gemeinschaften werden ständig von radikalen Gruppen und der Polizei überwacht.»

Ein konstanter Druck

Die Kommission für Religionsfreiheit der Evangelischen Gemeinschaft Indiens twitterte: «Am Sonntag, den 16. September, verhinderte die Polizei von Jaunpur, dass Menschen an einem Gottesdienst in Bhulandih teilnahmen. Fanatische Gruppen haben die Anbetung gestört und antichristliche Slogans in den Kirchen von Jaunpur geschrien, manchmal sogar vor den Augen der Polizei.»

In einem weiteren Tweet heisst es, dass ein anderer Pastor am Freitag, den 14. September, verhaftet wurde.

Uttar Pradesh, der gewalttätigste Staat gegen Christen

Zwischen Januar und Juni wurden in Uttar Pradesh mindestens 26 gewalttätige Angriffe gegen Christen verübt. Dies ist die höchste Zahl, die in Indien in der ersten Jahreshälfte 2018 verzeichnet wurde.

Und es geht noch weiter. Ein Freiwilliger, der den Opfern dieser Gewalt hilft, sagte gegenüber «Open Doors»: «Die gewalttätigen Angriffe auf christliche Minderheiten in Uttar Pradesh sind alle Teil des Staatsapparates; es ist staatlich geförderte Gewalt. Aggressoren sind sich bewusst, dass Christen in ländlichen Gebieten leicht angegangen werden können.»