19.11.2021 /
Iran
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Iran: Der Staat zwingt die Christen zur Illegalität

Letzte Woche wurden fünf iranische Konvertiten inhaftiert, drei von ihnen für mehrjährige Strafen. Aus diesem Anlass haben mehrere Organisationen, darunter Open Doors, das Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte aufgefordert, die Situation der Christen im Iran zu untersuchen, insbesondere den Mangel an Versammlungsorten.

Derzeit gibt es im Iran nur vier Persisch (Farsi) sprechende Kirchen. Der Regierung gefällt es nicht, dass das Evangelium in der Sprache verkündet wird, die 90 % der Bevölkerung dieser islamischen Republik sprechen. Diese Kirchen dürfen weder Besucher noch neue Mitglieder empfangen, und die Gottesdienste werden streng überwacht. So haben alle anderen Farsi sprechenden Christen keine andere Wahl, als sich in ihren Häusern zu treffen. 

Wo können sie sich noch versammeln, um Gottesdienst zu feiern?

Der Staat ergreift nun auch strenge Massnahmen gegen Christen, die sich privat versammeln. Da solche Treffen «gegen die nationale Sicherheit verstossen», drohen ihnen Schikanen, Razzien, Verhaftungen, Geld- und Freiheitsstrafen.

Diese Massnahmen verstossen gegen Artikel 18 (Recht auf Religionsfreiheit) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die auch der Iran unterzeichnet hat. 

Nun haben zehn christliche Organisationen, darunter Open Doors, einen Brief an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, gerichtet mit der Bitte, sich für die Farsi sprechenden Christen einzusetzen, die sich nicht mehr zum Gottesdienst treffen dürfen.

Die Änderungen des Strafgesetzbuches treten in Kraft

Drei iranische Konvertiten (Bild) aus Fardis in der Nähe von Teheran mussten am vergangenen 10. November im Gefängnis antreten, um ihre dreijährige Haftstrafe zu verbüssen. Ihnen wird vorgeworfen, aufgrund ihrer christlichen Aktivitäten «Propaganda zu betreiben, die sich gegen die heilige Religion des Islam richtet».

Die Anklage stützt sich auf Änderungen des Strafgesetzbuches, die der iranische Präsident im Februar erlassen hat. Menschenrechtsaktivisten hatten davor gewarnt, dass die Änderungen der Artikel 499 und 500  des Strafgesetzbuchs die religiösen Minderheiten, insbesondere die Christen, noch mehr in Gefahr bringen würde.

Zwei weitere Konvertiten, Sasan Khosravi und Habib Heydari, mussten am 11. November ins Gefängnis von Bushehr zurückkehren, um den Rest einer einjährigen Haftstrafe zu verbüssen. Sie wurden aufgrund von Artikel 500 wegen «Propaganda gegen den Staat durch Förderung des Christentums» verurteilt.

Verhaftungen und Inhaftierungen von Christen im Iran

Im Jahr 2020 kam es zu mindestens 115 Verhaftungen von Christen, insgesamt 237 Personen. Es wurden im Ganzen 147 Jahre Haft gegen Christen verhängt.

Derzeit sitzen siebzehn Christen im Gefängnis und verbüssen Haftstrafen zwischen zwei und zehn Jahren. Zwei weitere iranische Christen befinden sich derweil im Exil im eigenen Land.

Im Weltverfolgungsindex 2021 steht der Iran auf Platz 8 der Länder, in denen Christen wegen ihres Glaubens am meisten verfolgt werden.

Quelle : Middle East Concern, Open Doors