22.03.2022 /
Iran
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Iran: Gerechtigkeit bleibt unüberblickbar

Im Iran wissen die Christen nicht mehr, ob sie sich freuen oder der Justiz ihres Landes weiterhin misstrauen sollen.

In den letzten Monaten erfolgten Gerichtsurteile für persischsprachige Christen im Iran. Einige sind eher ermutigend, andere mahnen weiterhin zur Vorsicht. Die jüngste und bedeutendste betrifft den Freispruch von neun Christen am 28. Februar.

Freisprüche

Neun Christen waren in der Stadt Rasht im Nordwesten des Iran festgenommen und wegen «Untergrabung der nationalen Sicherheit» zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurden schliesslich durch eine Entscheidung des Teheraner Berufungsgerichts freigesprochen. Der Richter bestand insbesondere auf dem Mangel an Beweisen und auf der Tatsache, dass es keinen Angriff auf die nationale Sicherheit darstelle, Christ zu sein. Eine historische Entscheidung, die für die Christen im Iran von entscheidender Bedeutung sein könnte.
Anfang dieses Jahres, am 20. Januar, wurden Sasan Khosravi und Habib Heydari aus dem Gefängnis entlassen, ohne ihre volle Haftstrafe verbüsst zu haben. Sasan muss sich noch einem internen Exil von zwei Jahren unterziehen. Beide waren im Juni 2020 wegen «Propaganda gegen den Staat durch Förderung des Christentums» zu einem Jahr Haft verurteilt worden.

Optimistisch, aber vorsichtig

Eine endgültige Entscheidung stimmt optimistisch: Der Oberste Gerichtshof des Iran hat zugestimmt, das Urteil gegen Naser Navard-Goltapeh zu überprüfen. Er wurde im Mai 2017 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er «gegen die nationale Sicherheit gehandelt hat, indem er illegale Hauskirchen errichtete». Iranische Christen und Menschenrechtsverteidiger hoffen, dass auch er entlastet wird. Dies könnte einen beginnenden Fortschritt der Religionsfreiheit im Iran bestätigen.
Inmitten dieser ermutigenden Nachrichten kam die Verhaftung von Abdolreza (Matthias) Haghnejad wie ein kalter Schauer. Er ist einer der neun entlasteten Christen. Aber er wurde wegen einer Anklage aus dem Jahr 2014, die jedoch aufgehoben worden war, erneut inhaftiert. Über das Unverständnis hinaus, das diese Entscheidung hervorruft, zeigt sie vor allem, dass für die Christen im Iran nichts gewonnen ist.