Vor zwei Jahren haben wir das erste Mal von Simin erzählt, einer iranischen Christin, die wegen ihres Glaubens verhaftet und verfolgt wurde. Auch heute noch lebt sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Kind im Exil. Obwohl sie nun an einem sicheren Ort sind, hält der Druck in ihrem Leben weiterhin an.
In den letzten drei Monaten hatte Simin mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die sie völlig erschöpft haben. Was mit starkem Husten begann, entwickelte sich schnell zu Atembeschwerden. «Ich hatte wochenlang trockenen Husten und starke Atemnot», erklärt sie. «Drei Wochen lang konnte ich nur im Sitzen schlafen. Ich konnte mich nicht hinlegen, weil ich keine Luft bekam.»
Simin ist sich jedoch sicher, dass ihre körperlichen Beschwerden eng mit dem Stress zusammenhängen, unter dem sie seit Jahren leidet. «Wenn Herz und Geist ständig in Sorge sind, wird auch der Körper schwach.»
Angst um die Familie
Ein Grossteil dieser Sorge entsteht durch die Lage im Iran. Simin verfolgt aufmerksam die Nachrichten über Proteste, Gewalt und den eskalierenden Krieg. Gleichzeitig leidet sie unter den langen Phasen der Stille, in denen die Kommunikation unterbrochen ist. «Tage ohne Nachrichten von der Familie sind sehr schmerzhaft», sagt sie. «Wenn das Internet unterbrochen ist, weiss man nicht, was mit ihnen geschieht.»
In den kurzen Zeitfenstern, in denen Kommunikation möglich war, konnte Simin mit Gläubigen im Land sprechen. «Viele Christen halfen während der Proteste Verletzten und versuchten, anderen beizustehen, standen aber emotional und psychisch ebenfalls unter enormem Druck.»
Ein geistlicher Kampf
Für Simin ist die Krise, die sich im Iran abzeichnet, nicht nur politischer Natur. «Das ist nicht nur ein physischer Krieg», sagt sie. «Es ist auch ein geistiger Kampf.»
Auch wenn es schmerzhaft ist, die Ereignisse von ausserhalb des Landes mitzuverfolgen, begann die Verfolgung ihrer Familie schon lange vor dem aktuellen Konflikt. Simin erinnert sich noch genau daran, wie der Druck erstmals zunahm, als ihre Schwester versuchte, den Iran zu verlassen. «Sie hatte geplant, das Land zu verlassen», sagt Simin. «Doch nur wenige Tage vor ihrem Abflug wurde sie verhaftet.»
Ihre Schwester wurde festgenommen und verbrachte einen ganzen Monat in Untersuchungshaft. Schliesslich wurde sie gegen Kaution freigelassen, während sie auf das Gerichtsurteil wartete. Zu diesem Zeitpunkt rieten ihr die Anwälte, das Land zu verlassen, bevor das Gerichtsurteil erging.
Ihre Schwester folgte diesem Rat und schaffte es, den Iran zu verlassen. Doch kurz darauf wurde das Urteil verkündet. «Das Gericht verurteilte sie zu mehr als fünf Jahren Haft», erzählt Simin, «dazu kam eine hohe Geldstrafe und der Entzug sozialer Leistungen für mehr als fünf Jahre.»
Im Visier der Behörden
Ihre Schwester ist nach ihrer Flucht nun in Sicherheit, doch die Behörden gehen weiterhin gegen diejenigen vor, die noch im Iran sind. «Auch meine Mutter wurde zum Verhör mitgenommen», sagt Simin. «Die Regierung weiss von unserem Dienst und stellt immer noch Fragen über uns.» Selbst Simins Vater wurde Opfer der Unterdrückung. Er versucht nun, die hohen Geldstrafen zu bezahlen, die der Familie wegen ihres Glaubens an Jesus auferlegt wurden.
Nachdem Simin und ihr Mann aus dem Iran geflohen waren, wurden auch Simins Bruder und seine Frau verhaftet. «Nach mehreren Jahren im Gefängnis wurden sie schliesslich freigelassen, doch ihre Lage ist nach wie vor schwierig. Sie stehen unter ständiger Beobachtung», erklärt Simin. «Die Regierung bedroht sie immer wieder, doch sie sind sich ihrer Berufung sicher: Sie wollen nicht nur bleiben, sondern auch weiterhin dienen.»
Zwischen Herausforderungen und Hoffnung
Die Behörden befragen regelmässig alle verbliebenen Familienmitglieder zu Simin und ihrem Mann. «Immer wenn die Regierung unsere Aktivitäten ausserhalb des Irans mitbekommt, fragen sie meinen Bruder, ob er Kontakt zu uns hat», sagt sie. «Sie sind immer noch hinter uns her!»
«Das Leben als Flüchtlinge bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich», fügt Simin hinzu. 2025 durchlebte die Familie eine besonders schwierige Zeit, nachdem ihr Mann seine Arbeit verloren hatte. «Finanziell war es ein sehr hartes Jahr für uns», sagt sie.
Doch trotz der Angst und Unsicherheit weigert sich Simin, die Hoffnung aufzugeben. «Ich glaube, dass Gott nach all den Jahren der Unterdrückung im Iran wirkt», erklärt sie mutig. Sie räumt ein, dass die derzeitige Situation von Angst und Leid geprägt ist, spürt aber auch die Möglichkeit einer Veränderung.
«Hoffnung, dass etwas Positives geschehen kann, etwas, das Gerechtigkeit und Freiheit für alle bringt.»
Sie hofft auch darauf, eines Tages nach Hause zurückkehren zu können. «Ich bin mehr als bereit, in den Iran zurückzukehren, sobald es die Lage zulässt», sagt Simin. Nach Jahren im Exil sehnt sich ihr Herz immer noch nach dem Land, in dem sie geboren wurde und aufgewachsen ist.
«Danke für eure Gebete», sagt Simin mit einem Lächeln im Gesicht. «Eure Gebete haben uns durch viele schwere Zeiten getragen.»