01.01.2020 /
Laos
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LAOS: Mit Glauben und Medizin gegen Hammer und Sichel

«Kommunismus ist nicht Liebe. Kommunismus ist der Hammer, mit dem wir den Feind zerschlagen», ist eine bekannte Aussage von Mao Zedong. Für die lokalen Behörden in Anyas* abgelegenem Dorf des Bru-Stammes im Bergland von Laos ist der Feind das Christentum. Aber mit Glauben, einem Medizinkoffer und der Schulung von Open Doors zeigt Anya, dass er nicht der «Feind» seines Volkes ist, sondern jemand, der sich ganz praktisch um es kümmert.

Um Christi Willen wurden Anya und sein Vater ins Gefängnis geworfen und um Christi Willen wurde sein Freund kopfüber an einen Baum gehängt. Man mag denken, das war in den 70er-Jahren, auf dem Höhepunkt des Kommunismus. All dies geschah jedoch in den letzten fünf Jahren.

Das Dorf unter dem Hammer
Anya* (42) und seine Familie nahmen Jesus 2012 an. Es dauerte nicht lange, bis ihre kleine Gemeinde wuchs. Ein Jahr später waren bereits 30 Familien Christen geworden. Doch als die Glaubensfamilie wuchs, wuchs auch die Verfolgung. Das Christentum wird mit dem «Feind» Amerika in Verbindung gebracht und seine Anhänger gelten als Verräter. Die Gemeinde wurde fortan von zwei Spionen der Regierung auf Schritt und Tritt beobachtet.

Doch die Gemeinde wuchs weiter. 2015 hatte die Kirche fast 700 Mitglieder. Im selben Jahr wurden Anya und sein Vater ins Gefängnis geworfen. «Die ersten Monate verbrachten wir gefesselt in einer kalten Zelle.»

Glaube mit der Sichel zerschlagen
Sie waren nicht die Einzigen, die für ihren Glauben bezahlten. Anyas Assistent wurde kopfüber an einen Baum gehängt. Die Soldaten gossen grosse rote Ameisen über seinen ganzen Körper und er wurde etwa eine Stunde lang für seinen Glauben gedemütigt. Andere Christen wurden gefesselt und der sengenden Hitze der Sonne ausgesetzt. Als sie freigelassen wurden, gingen sie zurück in die Kirche, woraufhin die Soldaten sie mit Gewehren bedrohten.

Aber die Gemeinde liess sich nicht davon abschrecken, auch dann nicht, als vor dem Haus jedes einzelnen Gläubigen Soldaten postiert wurden.

Niemals verlassen
Währenddessen wurden Anya und sein Vater im Gefängnis verhört und gedrängt, ihren Glauben aufzugeben. «Wisst ihr nicht, dass alle Christen in eurem Dorf sich bereits von eurem Glauben abgewandt haben?»

Anya antwortete: «Ich werde Jesus nicht leugnen. Gottes Macht ist grösser als die jener, die ich vorher anbetete.»

Das Verhör dauerte Wochen, aber Anya und sein Vater fühlten sich zu keinem Zeitpunkt von Gott verlassen.

Anyas Mutter, sein Bruder und seine Frau konnten sie besuchen, indem sie der Polizei einen bestimmten Betrag zahlten. Sie brachten ihnen Essen, nahmen ihre schmutzige Kleidung mit und hielten sie über die Situation der anderen Christen auf dem Laufenden.

Eine Nachricht aus dem Gefängnis
Als Anya hörte, dass einige ihren Glauben aufgegeben hatten, schrieb er eine Nachricht zur Ermutigung der Gemeindeleiter und schob sie in seine schmutzige Kleidung. «Macht euch keine Sorgen um uns. Trotz unserer Situation freuen wir uns und beten Gott noch immer an. Bitte betet weiterhin unseren Gott an.»

Als Anya und sein Vater nach 13 Monaten entlassen wurden, erzählte Anya der Gemeinde, wie Gott sie im Gefängnis beschützt hatte und wie sie nicht aufgehört hatten, zu beten und Gott zu verherrlichen.

Anya wollte den Behörden und seinem Stamm zeigen, dass er kein «Verräter» seines Volks geworden war, sondern dass er sie durch seinen neuen Glauben noch mehr liebte.

Der Stamm der Bru lebt mehrheitlich in sehr abgelegenen Dörfern in den Bergen von Laos. Die Gesundheitsversorgung kann sehr herausfordernd sein – oft ist es eine zweistündige Reise über schlechte Strassen bis zum nächsten Krankenhaus.

Eine unerwartete Art der Hilfe
Lokale Partner von Open Doors haben begonnen, Christen aus dem Stamm der Bru grundlegende Kenntnisse zur Gesundheitsversorgung beizubringen. Die Schulung dauert zwei Jahre und umfasst acht Module, die vom Umgang mit Arthritis und Hirnschlägen bis hin zur Unterstützung einer Frau bei der Geburt reichen.

Auch Anya hat diese Schulung absolviert. Mit seinem neu erworbenen Wissen kann er den Menschen seines Stammes Gottes Liebe zeigen. «Die Verfolgung ist nicht mehr so schlimm wie früher, weil ich mich nun freiwillig im Gesundheitswesen engagiere. Ich danke Gott, dass er mir geholfen hat.»

Heute hat Anyas Kirche rund 580 Mitglieder. Weder Hammer noch Sichel konnten sie zerschlagen. Aber mit festem Glauben und einem Medizinkoffer dienen Anya und andere ihrem Volk und bringen die Erlösung bis ans Ende der Welt. /

* Name geändert

Auszug Januar 2020 – Magazin