Ein Viertel der Abgeordneten des neuen Parlaments in Myanmar stammt aus den Reihen des Militärs, die übrigen Sitze werden fast ausschliesslich von der USDP (Solidaritäts- und Entwicklungspartei der Union) besetzt, die ebenfalls mit dem Militär verbündet ist. Dies gibt Anlass zu Befürchtungen, dass der Konflikt andauern und es zu neuen gewaltsamen Repressionen kommen könnte.
Nach den in drei Phasen abgehaltenen Wahlen im Dezember 2025 und Januar 2026 wurde am 16. März 2026 ein neues Parlament gebildet. Diese Wahlen fanden kurz nach dem
fünfjährigen Jahrestag des Staatsstreichs am 1. Februar statt.
Ein Viertel der Sitze im Ober- und Unterhaus – das sind 166 Sitze – wurde der Armee vorbehalten, während die Solidaritäts- und Entwicklungspartei der Union (USDP) 339 der verbleibenden Sitze errang. Einundzwanzig weitere Parteien erhielten jeweils einen Sitz.
Machtpositionen durch die Armee besetzt
Der Chef der myanmarischen Armee, Min Aung Hlaing, wurde auf der Parlamentssitzung vom 30. März 2026 zum Präsidenten nominiert, nachdem die wichtigsten Oppositionsparteien von den Parlamentswahlen ausgeschlossen worden waren. Min Aung Hlaing dürfte problemlos gewählt werden, da er im Parlament neben zwei «Aussenseitern» nominiert wurde.
Die wichtigsten Ministerposten und andere bedeutende Ämter dürften an Angehörige der Armee und der mit der Armee verbündeten Mehrheitspartei USDP vergeben werden. Es ist zudem wahrscheinlich, dass alle offiziellen Ämter – von der Dorfebene bis hin zu Gemeinden, Städten, Bundesstaaten und Regionen – mit Beamten besetzt werden, die der Armee nahestehen.
Befürchtung einer Verlängerung des Konflikts
Trotz der Bildung eines neuen Parlaments dürfte die eigentliche Macht weiterhin in den Händen des Militärs liegen. Die Gefahr besteht, dass der Konflikt weitergeht und es zu neuen gewaltsamen Repressionen kommen könnte.
«Die Christen in vielen Regionen Myanmars haben die Situation satt»,
sagt Win Tin*, ein lokaler Partner von Open Doors.
«Angesichts der jüngsten Entwicklungen und Veränderungen in der Regierungsführung des Landes beobachten sie die Ereignisse jedoch weiterhin aufmerksam und handeln mit Vorsicht.»
Zu Beginn des Konflikts erinnerte Jan Vermeer, Leiter für Kommunikation bei Open Doors für Asien, daran, dass «seit einem halben Jahrhundert in Myanmar die Militärjunta Christen systematisch verfolgt […] ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas mitbekommt, da sie in sehr abgelegenen Gebieten leben. Der Armee ist es sehr gut gelungen, diese Tatsache zu verheimlichen»
Angesichts der Tatsache, dass viele Regierungsämter mit Militärangehörigen und deren Verbündeten besetzt sind, brauchen die Christen in Myanmar Gebet, Weisheit und die Führung des Heiligen Geistes.
*Name aus Sicherheitsgründen geändert