Er war 40 Jahre alt, als er sich der Kirche anschloss, die er eigentlich ausspionieren sollte. Der Preis dafür war hoch, aber er bereut nichts.
Mit 62 Jahren ist Huynh Van Nam* (Bilder) einer der wenigen christlichen Vietnamesen aus dem Volk der Khmer. Die Khmer sind eine Minderheit in Vietnam, die im Mekong-Delta lebt und ihre eigene Sprache, ihre Traditionen und Religion hat. Innerhalb dieser Minderheit sind Christen noch stärker in der Unterzahl.
Nichts deutete darauf hin, dass Nam einmal zu ihnen gehören würde. In den Reisfeldern arbeiten, zur Pagode gehen, die Ahnen verehren und den Lehren Buddhas folgen – so sah sein Leben aus. Bis Nam gezwungen war, in den Krieg nach Kambodscha zu ziehen, und aufgrund einer Antipersonenmine mit einem teilweise amputierten Bein zurückkehrte.
Nach seiner Rückkehr will die Familie seiner Verlobten Than* nichts mehr von ihm wissen. Aber Than lässt sich nicht beirren und heiratet ihn trotzdem. «Selbst wenn er beide Beine und sein Augenlicht verloren hätte, würde ich ihn immer noch lieben...» Doch seine Behinderung hindert ihn daran, Arbeit zu finden. «Entweder stellte man mich nicht ein oder man zahlte mir nicht den versprochenen Lohn», erinnert sich Nam, der schliesslich vollkommen verbittert war.
Ein folgenschwerer Auftrag
Eines Tages bieten ihm die lokalen Behörden eine Stelle an. Er ergreift die Gelegenheit, ohne die wahre Natur seiner Mission zu kennen. Anfang der 2000er-Jahre sucht die vietnamesische Regierung nach Spionen, die Khmer sprechen und mit dieser Kultur vertraut sind. Nam soll insbesondere die christlichen Khmer überwachen. Er soll eine Kirche infiltrieren und Berichte schicken. Zunächst befolgt er die Anweisungen.
Aber die Informationen, die er weitergibt, führen dazu, dass die Menschen, die er überwacht, verfolgt werden – obwohl sie nichts Unrechtes getan haben. Und das nur, damit seine Vorgesetzten gut dastehen und innerhalb der Kommunistischen Partei befördert werden. Nam hört schliesslich auf sein Gewissen. «Je mehr ich sie beobachtete, desto mehr wurde mir bewusst, dass Jesus niemals gelehrt hatte, jemandem Böses anzu-tun.» Eines Tages hört Nam einfach auf, seine Berichte zu schicken. Seine Vorgesetzten laden ihn vor, aber er antwortet: «Ich habe mein Bein im Dienst für den Staat verloren. Den Rest meines Lebens werde ich Gott dienen.»
Als er an diesem Abend nach Hause kommt, steht seine Entscheidung fest. Er sagt zu Than und ihren drei Kindern: «Wenn Gott wirklich existiert, wird er uns helfen.» Und dann zerstört er den Altar, der bis dahin den Geistern ihrer Ahnen gewidmet war. Die Nachbarn beobachten dies, und die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten: Er verliert seinen Job, sein Haus und seine Invalidenrente.
Unaufhörliche Einschüchterungen
In diesem Moment entscheidet sich Nam mit Leib und Seele für den christlichen Glauben. Er wird nicht nur Mitglied der Kirche, die er zuvor ausspioniert hatte, sondern will sie auch offiziell anerkennen lassen! Unglaublich, aber wahr: Innerhalb von vier Monaten schafft er es!
Heute ist Nam Pastor einer kleinen Kirche mit etwa fünfzehn Mitgliedern. Als das Rote Kreuz von seiner Behinderung und seinem Schicksalsschlag hörte, bot es ihm eine Stelle an. Nam lehnt jedoch ab und zieht es vor, sich ganz seinem Amt als Pastor zu widmen. Jeden Sonntag versuchen die Behörden, ihn einzuschüchtern, doch jedes Mal lächelt er nur: «Ich lade sie ein, sich uns anzuschliessen.»
Eines Tages wollten die Behörden den Gottesdienst auf diejenigen Mitglieder beschränken, die miteinander verwandt waren. Nam antwortete ihnen einfach: «Wenn ihr Christen verhaften wollt, weil sie Gott anbeten, dann stellt euch vor die Tür und tut es!» Und der Gottesdienst fand friedlich statt...
Kirche oder Pagode?
Aufgrund dieser ständigen Einschüchterungen gehen einige Christen jedoch nicht mehr in die Kirche, sondern in die Pagode. Dank der Partner von Open Doors können sie heute jedoch Seminare zur Vorbereitung auf Verfolgung besuchen und lernen, standhaft zu bleiben. Andere, die aufgrund ihres Glaubens an Jesus vom Schulsystem ausgeschlossen wurden, können weder lesen noch schreiben. Sie sind daher nicht in der Lage, die Bibel zu nutzen, selbst wenn sie eine besitzen.«Ich bete dafür, dass sie Hörbibeln in ihrer Muttersprache erhalten, damit sie das Wort Gottes klar und deutlich hören können», wünscht sich Nam für das Volk, das Gott ihm anvertraut hat.
*Namen aus Sicherheitsgründen geändert
Eine Ermutigung für uns:
«Gott hat mich nie im Stich gelassen. Ich erinnere mich an das Gebet, das wir gesprochen haben, nachdem wir unseren Familienaltar zerstört hatten: ‹Wenn Gott der wahre Gott ist, wird er uns nicht verhungern lassen.› Ich danke Gott, dass er seit 20 Jahren für uns sorgt! Er hat mich nie im Stich gelassen und dafür gesorgt, dass es mir an nichts fehlt. Er hat Wunder in meinem Leben vollbracht und tut dies auch weiterhin in eurem Leben. Ich möchte die Gläubigen auf der ganzen Welt dazu ermutigen, an Gott zu glauben, denn Er wird Seinen Teil tun. Es ist wirklich wunderbar, Gott zu vertrauen. Alles, was wir tun müssen, ist, an Gott und seinen Verheissungen festzuhalten.
Ich frage mich, warum Gott nicht jemand anderen als mich ausgewählt hat, um ihm zu dienen. Alle haben mich abgelehnt! Aber Gott hat gesagt: ‹Ich habe dich erwählt.› Das ist wunderbar! Alle sollten an ihn glauben, damit er seine Pläne verwirklichen kann.»