05.03.2019 /
Nepal
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Nepal: Christen werden beobachtet und beschuldigt

In Nepal werden einheimische NGOs zunehmend überwacht. Oft müssen sie ihre Aktivitäten einstellen, wegen Vorwürfen, Menschen vom Hinduismus abzuwerben.

Nepalesische christliche Organisationen werden zunehmend von der Regierung überwacht. Viele von ihnen müssen ihre Aktivitäten einstellen, weil ihnen immer wieder vorgeworfen wird, dass sie versucht haben, Hindus zu bekehren. Ebenso ist es schwierig, für neue Werke eine Zulassung zu erhalten.

Mehrere Waisenhäuser mussten wegen solcher Vorwürfe schliessen.

Nach Angaben der Behörden wollten deren Mitarbeiter die Kinder bekehren. Ein uns bekannter Christ vor Ort sagt: «Nachdem die Waisenhäuser geschlossen sind, werden die Kinder nicht in andere Häuser gebracht, sie werden einfach verlassen, ihr Leben ist in grosser Gefahr.»

Vor kurzem wurde eine Organisation, die Bibeln druckt, angegriffen und beschuldigt, Inhalte für die Konvertierung produziert zu haben. Die Regierung versucht, dieses Werk zu schliessen.

Christen werden bei ihren Aktivitäten beobachtet

Christen werden in ihren Versammlungen und auch an Arbeitsplätzen überwacht. Die neue Verfassung begünstigt die Überwachung der Christen durch die Behörden und trägt dazu bei, dass sie schneller angeklagt werden können.

Das Abwerben von Hindus zu einer anderen Religion ist in Nepal gesetzlich verboten. Mehr als 13 Fälle von Verhaftungen wurden im vergangenen Jahr gemeldet und mehr als 22 Berichte über falsche Anschuldigungen gegen Christen wurden in den Medien dokumentiert. Ein lokaler Pastor ist besorgt über die Situation: «Manchmal bin ich sehr beunruhigt, aber ich hoffe auf den Herrn. Ich weiss, dass christliche Leiter beobachtet werden und dass unser Leben und unser Dienst immer noch in Gefahr ist.»

Die Schliessung von Institutionen, in denen Christen arbeiten und verhaftet werden, ist nicht das einzige Mittel der Verfolgung. Es ist nicht ungewöhnlich, dass christliche Leiter bedroht werden. Auch Angriffe auf Kirchen sind alltäglich geworden.

Nepalesische Christen haben keine Rechte

Heute hat Nepal mehr als 8000 Kirchen und 1,2 Millionen Nepalesen sind zum christlichen Glauben konvertiert, darunter Dalits, also Menschen aus der untersten Kasten sowie Angehörige der Kirat-Volksgruppe.

Nach Angaben des Verbandes der Christen in Nepal stellen Dalits 60 Prozent der christlichen Bevölkerung. Ein lokaler Pastor: «Christen haben keinen Platz auf Friedhöfen, und es gibt keine Bestimmungen, wonach Kirchen als religiöse Gruppen anerkannt werden können. Sie sind daher als NGOs tätig. Sie können jederzeit für illegal erklärt werden.»

Säkulare Demokratie wird von Hindu-Nationalisten abgelehnt

Nepalesische Führer zögern nicht, öffentliche hasserfüllte Aussagen gegen Christen zu machen, was zu einer geduldeten Feindseligkeit gegenüber Christen führt.

Die Regierung hat 2008 eine säkulare Demokratie zwar eingeführt, aber hinduistische Nationalisten protestieren gegen Pluralismus und Gleichbehandlung aller Religionen.

Im September 2015 beschloss das nepalesische Parlament nach jahrelangen kontroversen Debatten, seine Identität als weltliche Nation in einer neuen Verfassung zu bewahren. Als Reaktion auf diese Bestimmung bombardierten Hindu-Radikale drei Kirchen.