22.04.2022 /
Nigeria
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Nigeria: Heilung nach der Gewalt durch Boko Haram

Charity und ihre Kinder haben einen gewaltsamen Angriff von Boko Haram in Nigeria überlebt. Dank der Hilfe unserer Partner haben sie wieder Hoffnung für die Zukunft.

Charity war zu Hause und machte sich für die Nacht bereit, als einer ihrer Söhne ins Haus gestürmt kam. «In diesem Moment erfuhren wir, dass Boko Haram unser Dorf angriff», erzählt sie. Sie ergriff ihre jüngste Tochter und band sie sich schnell auf den Rücken: «Wir sind in die Berge geflohen», berichtet sie. Wir liefen zusammen in die gleiche Richtung, als ein Motorrad auf uns zufuhr und ich von meinen Kindern getrennt wurde. Ich ging mit meiner kleinen Tochter weiter, mein Sohn rannte mit seiner Schwester in eine andere Richtung.»

Von ihren Kindern getrennt

Charity flüchtete mit anderen Dorfbewohnern in eine Höhle. Sie flüsterte mehrmals die Namen ihrer Kinder im Dunkeln. Es kam keine Antwort. «Was, wenn sie sie getötet haben?», ging es ihr durch den Kopf. Die Nacht war lang. Als es schliesslich hell wurde, verliessen alle vorsichtig die Höhle und gingen ins Dorf zurück. Auf dem Rückweg vernahm Charity, dass die Boko-Haram-Kämpfer Menschen aus dem Dorf und sogar Mitglieder ihrer eigenen Familie getötet hatten. Angesichts dieser schrecklichen Nachricht konnte sie nur an ihre Kinder denken...

«Als ich zu Hause ankam, waren sie nicht da», berichtet Charity. Sie war so besorgt, dass sie kaum essen konnte. Wochen vergingen, ohne dass sie etwas von ihnen hörte. Es gab keine Telefonverbindung und viele im Dorf meinten, es wäre zu gefährlich, die Strassen zu benutzen. Doch eines Tages, als Charity allein zu Hause war, hörte sie jemanden rufen. Sie eilte zur Türe: Es waren ihr Sohn und ihre Tochter!

Ein bewegendes Wiedersehen

Charity erzählt: «Ich rief laut ihre Namen! Meine verlorenen Kinder wieder zu sehen, war wie ein neuer Morgen!» Was für ein Trost! Das Wiedersehen war eine wunderbare Antwort auf ihre Gebete. Doch für Charity und ihre Kinder hatte der Kampf erst begonnen. Sie mussten ihr Haus wieder aufbauen, Nahrung und Unterkunft finden, ihre Kirche aus dem Nichts wiederbeleben, neu anpflanzen und mit der quälenden Frage fertigwerden: Wird Boko Haram wieder angreifen?

Als Open Doors von dem Angriff auf Charitys Dorf erfuhr, machten sich unsere Partner vor Ort sofort auf den Weg, um Unterstützung zu bringen. Sie leisteten Nothilfe, versorgten die Menschen mit Nahrungsmitteln, unterstützten sie beim Wiederaufbau und boten psychologische Hilfe.

«Es hat uns sehr geholfen, dass ihr gekommen seid», betont Charity, die heute wieder strahlt.

Vom Trauma geheilt

«Wir wussten nicht, dass wir traumatisiert waren. Wir wussten nicht einmal, was ein Trauma ist», fasst Charity zusammen. Tatsächlich barg sie in ihrem Herzen schmerzliche Erinnerungen: Die Dunkelheit erinnerte sie an die erlittene Gewalt. Lärm und Hundegebell lösten nach Sonnenuntergang Angst und Schrecken aus.

Sie erklärt: «Ihr seid genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen, als wir Trauma-Beratung brauchten. Die Schulung hat uns sehr geholfen. Der Angriff hatte eine Wunde in unsere Herzen gerissen, die ohne euren Kurs nicht geheilt hätte», ergänzt sie. Abschliessend sagt sie dankbar: «Euer Kommen hat neues Leben gebracht. Wir dachten nicht einmal, dass wir zurückkommen und wieder in unserem Dorf leben könnten. Es hat uns Hoffnung auf eine Zukunft gegeben.»