
Die Somali bilden ein Volk, das durch eine gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte verbunden ist und weit über die Grenzen Somalias hinaus im gesamten Horn von Afrika (Eritrea, Äthiopien, Kenia, Dschibuti) und in der Diaspora vertreten ist. Die Somalier hingegen sind die Bürger des somalischen Staates.
Diese Unterscheidung ist von wesentlicher Bedeutung: Die somalische Identität geht über den nationalen Rahmen hinaus und prägt die sozialen, familiären und religiösen Dynamiken tiefgreifend.
Ein Volk, eine Identität, ein fragiler Kontext
Die somalische Gesellschaft ist stark clanorientiert. Dieses System hat sowohl Stärken als auch Schwächen. Wenn ein Somali in Schwierigkeiten gerät, bietet ihm sein Clan Schutz und Unterstützung. Wird er jedoch aus seinem Clan ausgeschlossen, ist er völlig schutzlos und ohne jede Möglichkeit, Hilfe zu erhalten.
Wirtschaftlich gesehen leben etwa 56 % der Bevölkerung in ländlichen Gebieten und betreiben hauptsächlich Landwirtschaft oder nomadische Viehzucht
In Somalia ist der Alltag von grosser Unsicherheit, Ungewissheit und Instabilität geprägt. Die Armut, die durch alte und anhaltende Stammeskonflikte noch verschärft wird, hat terroristischen Gruppen den Weg geebnet. Eine dieser Gruppen, al-Shabaab, hat sich durch die Ausnutzung dieses Chaos, insbesondere rund um die Hauptstadt, durchgesetzt.
Kultur und Religion als gemeinsames Fundament
Die somalische Gesellschaft ist tief in ihrer Kultur und Religion verwurzelt. Sie schätzt Gastfreundschaft, Grosszügigkeit und Respekt gegenüber Älteren. In diesem kollektiven Rahmen ist Religion ein wesentlicher Bestandteil der Identität.
Westler werden als kulturelle Bedrohung wahrgenommen, unabhängig davon, ob sie Christen sind oder nicht. Sie werden oft mit «Christianisierung», Modernisierung und Verwestlichung in Verbindung gebracht und deshalb als Feinde betrachtet. Orte, an denen sich Westler aufhalten, sind daher regelmässig Ziel von Anschlägen, da sie automatisch mit christlicher Präsenz gleichgesetzt werden.
Rechtlich gesehen erklärt die Verfassung Somalias den Islam zur Staatsreligion, ebenso wie die Verfassungen von Dschibuti und Somaliland. Die Verfassungen von 1960 und 2012 erkennen die Gewissensfreiheit an, verbieten jedoch die Verbreitung einer anderen Religion als dem Islam. Alle Gesetze müssen mit der Scharia vereinbar sein und schützen daher keine anderen Gläubigen als Muslime.
Konvertieren – ein extremes Risiko für Somali
Vor diesem Hintergrund stellt die Konversion zum Christentum für Somali ein extremes Risiko dar. Die Konversion führt zu einer fast sofortigen Ablehnung und Verfolgung sowohl durch den Staat als auch durch den Clan und die Familie. Wenn jemand konvertiert, sehen seine Angehörigen darin einen Verrat an seiner somalischen Identität. Christ zu werden erscheint somit als eine menschlich unmögliche Entscheidung.
In Somalia und Eritrea stellen verbale Angriffe oder Ausgrenzung nicht die höchste Stufe der Verfolgung dar: Tätliche Angriffe gelten als die mildeste Form. Christen leben in ständiger Angst vor dem Tod.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Gläubige aufgrund ihres Glaubens getötet. Einige kamen bei Anschlägen ums Leben, andere an ihrem Arbeitsplatz. Frauen und Mädchen sind besonders gefährdet: Vergewaltigungen, Zwangsheirat, körperliche Gewalt, Mord...
Christliche Eltern sind äusserst besorgt um ihre Kinder. Wenn sie sie aus Angst vor dem, was ihnen passieren könnte, nicht mehr zur Schule schicken, beeinträchtigt dies ihre Zukunft. Wenn sie sie zur Schule gehen lassen, können sie ihre Familie und die Kirche gefährden.
In weniger schweren Fällen äussert sich die Verfolgung durch den Verlust des Arbeitsplatzes, Ablehnung durch die Familie oder ständige Demütigungen.
Eine verborgene, aber lebendige Kirche
In Somalia gibt es keine sichtbaren oder offenen Kirchen. Somalische Gläubige können nicht öffentlich an Gottesdiensten oder christlichen Versammlungen teilnehmen. Dennoch gibt es dort eine Kirche, die wächst.
Trotz der Gefahren begegnen Somali Jesus und entscheiden sich, ihm zu folgen. Das geschieht nach wie vor hauptsächlich über das Internet: Soziale Netzwerke, Websites und Radiosender verbreiten christliche Inhalte. So auch im Fall von Aweis, einem somalischen Christen. Als er versuchte, den BBC-Radiosender einzustellen, stiess er auf eine christliche Sendung, die sein Leben veränderte.
Andere entdecken das Evangelium durch Fernsehsender, die christliche Inhalte ausstrahlen, teilweise aus dem Ausland.
Die Diaspora spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung des Evangeliums: Seit mehr als dreissig Jahren treibt die Instabilität viele Somali ins Exil. Im Ausland begegnen sie Christen, entdecken das Evangelium und versuchen dann, diese Botschaft an ihre im Land zurückgebliebenen Angehörigen weiterzugeben.
Es gibt auch eine Untergrundkirche, die sich aus heimlichen Gläubigen zusammensetzt, die indirekt Zeugnis ablegen, meist indem sie die von Jesus gelehrten Werte konkret leben. Diese Kirche lebt nicht nur in Angst, sondern hat aufgrund der mit ihrer Illegalität verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch kaum eine Entfaltungsmöglichkeit.
Die Situation erfordert Handlungsbedarf
Seit den 1990er Jahren unterstützt Open Doors somalische Christen am gesamten Horn von Afrika, damit sie trotz Verfolgung im Glauben wachsen und sich weiterentwickeln können.Durch die Förderung der Jüngerschaft und die Vorbereitung der Christen auf schwere Verfolgung erhalten sie konkrete materielle, geistliche und menschliche Unterstützung.
Ohne dieses Engagement wäre die somalische Kirche mittellos. Sie können die Arbeit von Open Doors vor Ort unterstützen, indem Sie für unsere Projekte spenden und beten.
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