Weltverfolgungsindex 2026: ein Überblick
Syrien steigt auf Platz 6 auf
Das Land kehrt in die Top 10 der Länder zurück, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt werden, und steigt mit einer Rekordpunktzahl von 90 Punkten (+12 Punkte) vom 18. auf den 6. Platz auf. Der Sturz des Assad-Regimes
und die Machtübernahme durch die HTS lösten eine Welle der Gewalt aus: Angriffe auf Kirchen, Morde (27 in einem Jahr) und verstärkter Druck. Die christliche Bevölkerung, die auf 300'000 Menschen geschätzt wird, flieht weiterhin, geschwächt durch
die Einführung der islamischen Rechtsprechung als Hauptquelle des Gesetzes und den Aufstieg des Extremismus.
Vier Länder aus Subsahara-Afrika unter den Top 10
Die Gewalt gegen Christen nimmt in Gebieten zu, die sich der Kontrolle ihrer Staaten entziehen, weil sie durch die Präsenz bewaffneter Gruppen geschwächt sind. Von den 14 Ländern der Region, die im Index 2026 aufgeführt sind, befinden sich vier
unter den Top 10. Die Werte für Gewalt erreichen Rekordhöhen, insbesondere in Nigeria, Mali und Sudan. Da jeder achte Christ weltweit in Subsahara-Afrika lebt, hat diese Verschärfung der Lage Auswirkungen auf einen ganzen Teil der weltweiten Kirche.
Starker Rückgang der Christen im Nahen Osten
Seit dem Aufstieg des Islamischen Staats ist die christliche Bevölkerung in Syrien und im Irak stark zurückgegangen. Tausende sind in die Türkei oder das irakische Kurdistan geflohen. Heute leben schätzungsweise noch etwa 300'000 Christen in Syrien.
Der Exodus betrifft auch das Heilige Land, wo die christliche Bevölkerung stetig abnimmt: In Bethlehem sind Dutzende Familien aufgrund des Krieges im Gazastreifen ausgewandert, und in Taybeh, einem der wenigen mehrheitlich christlichen Dörfer,
sind innerhalb eines Jahres 250 von 1500 Einwohnern weggezogen. Ihre geringe Zahl macht sie besonders verletzlich, vor allem in Gebieten ohne staatlichen Schutz, wo islamischer Tribalismus Konvertiten besonders gefährdet.
Politische Instabilität begünstigt zunehmende Verfolgung
Fünf Länder südlich der Sahara sind von Staatsstreichen oder bewaffneten Konflikten betroffen: der Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Somalia, die Zentralafrikanische Republik und Mosambik. Gestürzte Regierungen, ausser Kraft gesetzte Verfassungen
und Gebiete ohne Kontrolle begünstigen die Dschihadisten. Christen werden zur Zielscheibe: zerstörte Kirchen im Sudan, Massaker in der Demokratischen Republik Kongo, öffentliche Hinrichtungen in Somalia, Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik
und Mosambik. Die chronische Unsicherheit schürt die zunehmende Verfolgung.
3490 Christen getötet in Nigeria
Als weltweites Epizentrum der Gewalt gegen Christen erreicht Nigeria 2026 einen Rekordwert von 89 Punkten und befindet sich seit 2021 unter den Top 10. Mehr als 3490 Christen wurden dort innerhalb eines Jahres getötet, darunter 258 bei einem Massaker
in Yelwata. Das Land ist einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt: Boko Haram, ISWAP, Fulani-Milizen und neue Gruppen, die mit Al-Qaida und dem Islamischen Staat verbunden sind. Schwache Regierungsführung und Kriminalität verschärfen die Unsicherheit,
insbesondere im Norden des Landes und im sogenannten Middle Belt.
Christen in die Isolation gedrängt
In mehreren Ländern wird das christliche Leben durch gesetzliche und gesellschaftliche Einschränkungen unterdrückt. In Algerien wurden alle protestantischen Kirchen geschlossen, wodurch die Gemeinden in den Untergrund gedrängt wurden. Christen
werden überwacht, schikaniert und ihnen wird der Zugang zu Wasser, medizinischer Versorgung und Bürgerrechten verwehrt. Dieser Trend breitet sich auch in anderen Ländern aus: Tunesien erschwert die Registrierung von Kirchen durch administrative
Hürden, Marokko verbietet missionarische Aktivitäten und überwacht Konvertiten, Ägypten schränkt den Bau und die Renovierung von Kirchen ein. Dieser unsichtbare, aber ständige Druck zwingt Christen zur Selbstzensur und ins Exil.